Grandioses Konzert von Irnea Gulzarova im Grafenegg Festival mit Rudi Buchbinder und den Wienern Virtuosen

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So frisch und natürlich klingt Wiener Klassik

03.09.2017 „Die Presse“ Wien

 

Beinahe hat man vergessen, wie frisch und natürlich Wiener Klassik klingen kann, so viele unterschiedliche Versuche von Neudeutungen hat es gegeben. Da tut es gut, dies in Erinnerung zu rufen. Etwa durch die hauptsächlich aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker bestehenden Wiener Virtuosen. Gegründet hat sie Philharmoniker-Soloklarinettist Ernst Ottensamer, der vor Beginn der Salzburger Festspiele überraschend verstorben ist. Eine noble Geste, ihm diese Matinee im Grafenegger Auditorium zu widmen, wie man im sehr persönlichen Vorwort von Festivalintendant Rudolf Buchbinder im Programmheft lesen konnte.

Begonnen wurde dieses auch für ORF III aufgenommene und zeitversetzt gezeigte Konzert mit einer der populärsten Pariser Symphonien Haydns, „La Poule“, Hob. I:83. Vor allem die beiden Ecksätze erstanden mit frischer Akkuratesse. Auch bei den beiden folgenden Werken kam man ohne Dirigenten aus. Buchbinder beschränkte sich bei Haydns brillantem D-Dur-Klavierkonzert Hob. XVIII:11 wie bei Mozarts Konzert für zwei Klaviere KV 365 auf das Anzeigen der jeweiligen Grundtempi und unbedingt notwendige Einsätze. Was nicht ohne Risiko ist, denn bei Haydn, vor allem aber beim Mozart-Konzert gibt es eine Reihe heikler Übergänge – abgesehen davon, dass bei diesem Es-Dur-Opus zwei Solisten in brillantem Wettstreit stehen: neben dem gewohnt souveränen Buchbinder die 1982 in Taschkent geborene Irena Gulzarova, die ab 2005 von Buchbinder in seiner Meisterklasse an der Musikhochschule in Basel unterrichtet wurde, diese 2010 mit Auszeichnung abschloss und eine Reihe von Preisen bei renommierten Wettbewerben erringen konnte.

Gulzarova ist eine Interpretin, die beredt phrasiert, klar artikuliert und Musikalität bewusst über technische Bravour stellt. Es macht ihr hörbar Freude, selbst so Herausforderndes wie dieses Mozart-Konzert mit ihrem einstigen Lehrer elanvoll und gleich gestimmt zu servieren. Dafür gab es nicht nur viel Applaus, sondern auch einen prächtigen Blumenstrauß von Buchbinder. (dob)

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 04.09.2017)